Lernziel und Ablauf
Nach dieser Lektion können Sie eine KI-Zusammenfassung Satz für Satz mit ihrer Quelle vergleichen, erfundene Aussagen erkennen und einen geprüften Entwurf erstellen. Planen Sie 20 Minuten ein: 3 Minuten Grundlagen, 8 Minuten Übung, 5 Minuten Selbstcheck und 4 Minuten Transfer.
Sie brauchen Papier oder eine lokale Notiz. Alle Namen, Termine und Zahlen im Beispiel sind erfunden. Geben Sie keine echten Kunden-, Personal- oder internen Geschäftsdaten in ein nicht freigegebenes Werkzeug ein. Die Übung funktioniert vollständig ohne KI-Konto.
1. Flüssiger Text ist noch kein Beleg
Ein Sprachmodell erzeugt Text anhand gelernter Muster und des eingegebenen Kontexts. Es kann einen Text überzeugend formulieren und dabei Details ergänzen, die in der Quelle fehlen. Ein freundlicher Ton, genaue Zahlen oder ein selbstsicherer Satz sind deshalb kein Beleg für Richtigkeit.
Trennen Sie beim Prüfen drei Fälle: Eine Aussage ist durch die Quelle belegt, sie widerspricht der Quelle oder sie ist aus der Quelle nicht ableitbar. Auch eine plausible Ergänzung gehört in den dritten Fall. Behandeln Sie sie als offene Frage, bis eine zuständige Person oder eine verlässliche Quelle sie bestätigt.
2. Ausgangsmaterial: eine fiktive Teamnotiz
Projekt: interne Schulung bei der fiktiven Firma Seeblick Büro AG.
Die Schulung ist für 25 Mitarbeitende geplant.
Als möglicher Termin ist der 14. Oktober vorgesehen; die Teamleitung hat ihn noch nicht bestätigt.
Für den Raum liegen zwei Offerten vor: Raum A kostet CHF 480, Raum B CHF 620.
Ein Raum wurde noch nicht gebucht.
Mira klärt bis zum 7. Oktober, ob Raum A für 25 Personen geeignet ist.
Die Kosten für Verpflegung sind noch offen.
Ein Gesamtbudget wurde nicht beschlossen.
3. Ein Prompt mit klaren Grenzen
Vorlage zum Kopieren:
Aufgabe: Fasse die folgende Teamnotiz für eine interne E-Mail zusammen.
Zielgruppe: die Teamleitung.
Nutze nur Informationen aus der Notiz. Ergänze keine Termine, Zusagen oder Beträge.
Trenne bestätigte Angaben, offene Punkte und nächste Schritte.
Übernimm Zahlen und Namen genau. Wenn etwas fehlt, schreibe «offen».
Format: drei kurze Abschnitte, höchstens 120 Wörter.
Quelltext: [hier ausschliesslich die fiktive Teamnotiz aus Abschnitt 2 einsetzen].
Die Grenzen im Prompt machen die Aufgabe klarer. Sie ersetzen die Prüfung des Ergebnisses nicht. Wer den Text weitergibt, muss Zahlen, Zusagen und Zuständigkeiten selbst kontrollieren.
4. Übung: den fehlerhaften Entwurf prüfen
Der folgende Text ist ein absichtlich fehlerhaftes Lernbeispiel, kein frisch erzeugtes KI-Ergebnis:
«Die Schulung für 25 Mitarbeitende findet am 14. Oktober statt. Raum A ist für CHF 480 gebucht und bietet genügend Platz. Mira organisiert bis zum 7. Oktober die Verpflegung. Das freigegebene Gesamtbudget beträgt CHF 1'100.»
Aufgabe A: Zerlegen Sie den Entwurf in einzelne Aussagen. Kennzeichnen Sie jede als «belegt», «widersprüchlich» oder «nicht belegt». Schreiben Sie jeweils die passende Stelle aus der Teamnotiz daneben. Lesen Sie die Lösung erst nach Ihrem eigenen Versuch.
Aufgabe B: Schreiben Sie einen korrigierten Entwurf mit den drei Abschnitten «Bestätigte Angaben», «Offene Punkte» und «Nächster Schritt». Übernehmen Sie keine Zusage, die in der Quelle fehlt.
Aufgabe C: Eine zweite Person soll Ihren Entwurf in einer Minute prüfen können. Notieren Sie dafür drei konkrete Prüffragen zu Termin, Kosten und Zuständigkeit.
5. Musterlösung: Aussagen prüfen
«25 Mitarbeitende»: belegt als geplante Gruppengrösse. Die Quelle bestätigt weder deren Anmeldung noch deren Teilnahme.
«Findet am 14. Oktober statt»: nicht als fester Termin belegt. Die Notiz nennt einen möglichen Termin und eine ausstehende Bestätigung. Der Entwurf macht aus einer Planung eine feste Zusage.
«Raum A ist für CHF 480 gebucht»: widersprüchlich. CHF 480 ist der angebotene Preis für Raum A; laut Notiz ist noch kein Raum gebucht.
«Bietet genügend Platz»: nicht belegt. Genau diese Frage muss Mira noch klären. Aus dem Preis lässt sich die Raumgrösse nicht ableiten.
«Mira organisiert die Verpflegung»: widerspricht dem beschriebenen Auftrag. Mira prüft bis zum 7. Oktober die Eignung von Raum A. Die Notiz nennt keine zuständige Person für die Verpflegung.
«Freigegebenes Gesamtbudget CHF 1'100»: widersprüchlich. Es wurde kein Gesamtbudget beschlossen. CHF 480 und CHF 620 sind Preise für zwei Alternativen; sie zu addieren ergibt kein freigegebenes Budget. Zudem sind die Verpflegungskosten offen.
6. Musterlösung: geprüfter Entwurf
Bestätigte Angaben: Die Schulung wird für 25 Mitarbeitende geplant. Für die Räume liegen zwei Offerten vor: Raum A für CHF 480 und Raum B für CHF 620.
Offene Punkte: Der mögliche Termin am 14. Oktober ist noch nicht bestätigt. Es ist noch kein Raum gebucht. Die Eignung von Raum A, die Verpflegungskosten und das Gesamtbudget sind offen.
Nächster Schritt: Mira klärt bis zum 7. Oktober, ob Raum A für 25 Personen geeignet ist.
Prüffragen: Ist der Termin als vorläufig erkennbar? Sind die beiden Raumbeträge als Alternativen und nicht als Gesamtbudget dargestellt? Ist Miras Aufgabe unverändert wiedergegeben?
7. Selbstcheck
Beantworten Sie die drei Fragen zunächst ohne die Lösungen. Notieren Sie zu jeder Antwort eine kurze Begründung.
Frage 1: Zwei KI-Werkzeuge nennen denselben Termin als bestätigt. Reicht diese Übereinstimmung aus?
A: Ja, zwei gleiche Antworten sind ein Beleg.
B: Nein, entscheidend ist die ursprüngliche Quelle oder eine ausdrückliche Bestätigung.
Frage 2: Wie gehen Sie mit einer echten Personalliste für eine Übung um?
A: Ich entferne nur die Nachnamen und nutze ein beliebiges Werkzeug.
B: Ich nutze fiktive Übungsdaten und kläre für reale Aufgaben zuerst die interne Freigabe.
Frage 3: Im Prompt steht «Erfinde nichts». Darf der Entwurf jetzt ungeprüft an das Team gehen?
A: Ja, der Prompt schliesst Fehler aus.
B: Nein, ich gleiche die Aussagen weiterhin mit der Quelle ab.
8. Lösungen zum Selbstcheck
1: B. Übereinstimmende Antworten ersetzen keinen Beleg. Beide Werkzeuge können dieselbe unbelegte Annahme übernehmen. Hier bleibt der Termin unbestätigt.
2: B. Auch ohne Nachnamen können Angaben Personen erkennbar machen. Für diese Übung genügen die fiktiven Daten; reale Daten gehören nur in einen intern freigegebenen Prozess.
3: B. Ein Prompt beschreibt die gewünschte Ausgabe, garantiert aber keine Fehlerfreiheit. Die Verantwortung für den versendeten Text bleibt bei der prüfenden Person.
Auswertung: Bei drei begründeten richtigen Antworten können Sie zum Transfer übergehen. Bei einer unsicheren Antwort lesen Sie den passenden Abschnitt erneut und formulieren die Begründung in Ihren eigenen Worten. Dieser Selbstcheck ist keine formelle Prüfung; das Ergebnis wird nicht gespeichert.
9. Transfer: Ihre Prüfliste für morgen
Wählen Sie eine kleine, wiederkehrende Schreibaufgabe, zum Beispiel die Zusammenfassung einer internen Besprechung. Beschreiben Sie die Aufgabe zunächst mit erfundenen Daten. Halten Sie Zielgruppe, Quelle, gewünschtes Format und offene Punkte fest.
Prüfliste vor dem Weitergeben:
1. Hat jede Zahl und jede Zusage eine Stelle in der Quelle?
2. Sind offene Fragen weiterhin als offen erkennbar?
3. Stimmen Namen, Aufgaben und Termine mit der Quelle überein?
4. Habe ich Ergänzungen entfernt oder ausdrücklich bestätigen lassen?
5. Hat eine verantwortliche Person den endgültigen Text geprüft?
Ihr Ergebnis aus dieser Lektion: ein korrigierter Entwurf, drei begründete Selbstcheck-Antworten und eine Prüfliste für die nächste Schreibaufgabe. Besprechen Sie im Team, wer welche Texte vor der Verwendung freigibt.